25 Jahre Iftar – Tradition in und aus Gießen..!

Rede des IRH-Vorsitzenden Ramazan Kuruyüz beim 4. Stadtiftar Gießen

Der vierte Stadt-Iftar in Gießen bzw. das “25.- jähriges Jubiläum der Iftar-Tradition in und aus Gießen” wurde am Samstag, dem 4. Juli 2015, auf dem öffentlichen Platz und unter freiem Himmel mitten in der Stadt von rund 800 Gästen feierlich und in geschwisterlicher Stimmung begangen.

Bismil-lahir-rahmanir-rahim

Mit dem Namen Allahs/Gottes, des Allgnade Erweisenden, des Allgnädigen

Oh, ihr Menschen, Wir haben euch aus einem männlichen und einem weiblichen Wesen geschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch kennenlernt. Der Angesehenste von euch bei Gott ist der Gottesfürchtigste.“ (aus dem Koran: 49, 13)

Ihr alle gehört zu Adam und Adam stammte aus Erde. Keinen Vorrang hat der Araber vor dem Nichtaraber oder der Weiße vor dem Schwarzen, es sei denn durch die Gottesfurcht und das rechte Handeln.“

(Prophet und Gesandter Muhammad, Friede und Segen seien mit ihm)

Sehr geehrte Frau Stadträtin Eibelshäuser,

verehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, des Landkreises, der kommunalen und Landespolitik, der Verwaltung, der Gesellschaft, der kommunalen und Landesreligionsgemeinschaften und -kirchen und der Presse, liebe Schwestern, Brüder und Freunde, verehrte Damen und Herren!

Im Namen der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen/IRH, der IGMG-Buhara Moschee Gießen und der Islamischen Gemeinde Gießen heiße ich Sie alle herzlich willkommen und freue mich, Sie zahlreich bei unserem vierten Stadtiftar und bei unserem „25-jährigen Jubiläum der Iftar-Tradition in und aus Gießen“ hier in der Stadtmitte Gießen begrüßen zu dürfen. An dieser Stelle danke ich erst der Stadtverwaltung Gießen recht herzlich dafür, dass wir diesen öffentlichen Platz mitten in der Stadt auch dieses Jahr für unseren vierten Stadtiftar nutzen dürfen. Dies ist für uns eine große Freude und zugleich das Zeichen und die Folge eines seit 25 Jahren gut gepflegten Vertrauensverhältnisses mit dem Magistrat und der Stadtverwaltung, aber sicher auch mit unserer Gießener Stadtgesellschaft. Herzlich danke ich auch allen Sponsoren, die den heutigen Stadtiftar finanziell unterstützt haben. Mein herzlichster Dank gilt vor allem den Vorständen und der gemeinsamen Arbeitsgruppe der Islamischen Gemeinde Gießen, der IGMG-Buhara Moschee Gießen und der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen für ihren Einsatz für die Vorbereitung und Gestaltung der heutigen Veranstaltung. Herzlich grüße ich hier an dieser Stelle stellvertretend für alle Schwestern und Brüder die Vorsitzenden unserer Mitgliedsgemeinden, meine lieben Brüder, Dr. Diaa Rashid und Nuri Alparslan. Nicht zuletzt danke ich Ihnen allen, verehrte Damen und Herren, dafür, dass Sie unseren vierten Stadtiftar und unser 25-jähriges Jubiläum heute mit uns gemeinsam begehen.

Verehrte Damen und Herren,

genau vor 25 Jahren, im Ramadan, April 1990, haben wir als Gießener Muslime zum ersten Mal Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Gesellschaft, Kirchen und Presse zu einem Iftarempfang, zu einem gemeinsamen Fastenbrechen, eingeladen. Viele sowohl in den Reihen der einladenden Muslime als auch der eingeladenen Gäste waren damals erstaunt bis skeptisch und verzweifelt. „Was soll das? Was ist denn jetzt los? Warum und ob wir Muslime die Nicht-Muslime zu unserem Iftar überhaupt einladen dürfen?“, waren verzweifelte Fragen vieler Muslime. Und eingeladene nicht-muslimische Gäste fragten mich überrascht, ob sie ehrlich zu einem islamischen Fastenbrechen eingeladen wurden. Das erste gemeinsame Fastenbrechen fand unter diesen verzweifelten Fragen doch stand und alle waren hocherfreut. Die Gießener Presse berichtete darüber unter der Schlagzeile: „Kontakte mit Deutschen verbessern“. An dieser Stelle möchte ich dem damaligen Vorstand Herrn Kazim Erol des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, heute heißt er, DITIB-Gemeinde, für seine Bereitschaft, seinen Mut und Einsatz für die Verwirklichung des ersten Fastenbrechens in Gießen ganz herzlich danken und grüße ihn heute unter uns in Dankbarkeit. Ohne ihn wäre unsere Initiative damals nicht zustande gekommen. Aufbauend auf unserem neu begonnenen Vertrauensverhältnis durch dieses erste gemeinsame Fastenbrechen haben wir mit dem damaligen Leiter Martin Braner des Religionspädagogischen Amtes der EKHN/Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für Oberhessen dann im Jahre 1996 die Christlich-Islamische Gesellschaft in Gießen gegründet. In seiner Abwesenheit, er konnte heute nicht unter uns sein, weil er nunmehr in Berlin lebt, grüße ich meinen lieben Bruder und Freund Martin Braner recht herzlich und danke ihm für seinen unermüdlichen und aufrichtigen Einsatz für den christlich-islamischen Dialog, für geschwisterliche Zusammenarbeit und für Frieden in und über Gießen hinaus.

Verehrte Damen und Herren, liebe Geschwister und Freunde,

unser erstes gemeinsames Fastenbrechen bzw. der erste Iftarempfang fand in einem kleinen Vereinshaus mit insgesamt ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. In den darauffolgenden Jahren haben unsere Iftarempfänge in Bürgerhäusern, im Uni-Hauptgebäude, im Audimax, im Rathaus und auch auf dem großen Gelände der Buhara Moschee mit mehreren hunderten Gästen stattgefunden. Nun seit vier Jahren finden sie unter dem Titel „Stadtiftar“ und dem Motto „Sichtbare Integration“ auf dem öffentlichen Platz mitten in Gießen statt. Wir Gießener Muslime und Islamische Religionsgemeinschaft Hessen haben eine Pionierarbeit für Iftar-Empfänge islamischer Religionsgemeinschaften in und über Hessen hinaus geleistet. Alhamdulillah/Dank, Preis und Lob gelten Allah, unserem Gott, wir haben dazu entscheidend beigetragen, dass islamische Gemeinden in jedem Ramadan in fast allen hessischen Gemeinden und Städten zu Iftar-Empfängen einladen. Die Iftar-Empfänge islamischer Gemeinden sind nunmehr zur Tradition und zu einem Bestandteil der Kultur unserer Stadt, unseres Landes Hessen und der Bundesrepublik Deutschland geworden. Die Iftar-Empfänge bieten uns allen die Möglichkeit für Begegnungen, für gemeinsame Feier unserer Feste, für gegenseitig näheres Kennenlernen, für die Schaffung bzw. Förderung gegenseitigen Vertrauensverhältnisses miteinander, für interkulturellen, interreligiösen und gesellschaftspolitischen Austausch und Dialog und für die Erkenntnis unserer gemeinsamen Werte und somit für die Förderung unseres Gemeinschaftsgefühls. Diese gemeinsamen Iftarempfänge fördern und stärken unseren Gemeinschaftssinn mehr und besser als viele Worte. Solche Begegnungen tragen zur Entwicklung von einem Nebeneinander-Leben zu einem Miteinander-Leben und vom Unvertrauten zum Vertrauten entscheidend bei. Deshalb bin ich vor allem unserem Schöpfer und Ihnen allen dafür dankbar.

Verehrte Gießenerinnen und Gießener, verehrte Hessinnen und Hessen,

wir sind eine Gemeinschaft hier in Gießen, in Hessen und in Deutschland, mit all unseren Gemeinsamkeiten und Unterschieden; egal, ob die einen von uns zur Mehrheit oder Minderheit angehören, ob wir Muslime, Christen, Juden, Andersglaubende oder Andersdenkende sind, ob wir deutscher, türkischer, arabischer oder anderer Herkunft sind, ob wir oder unsere Generationen seit Jahrzehnten und Jahrhunderten oder nur seit einiger Zeit hier leben. Aus unterschiedlichen Gründen und Anlässen leben wir alle hier in Gießen, Hessen und Deutschland. Gießen ist zu unserer Heimat geworden. Hessen und Deutschland sind zur Heimat und zum Lebensmittelpunkt von uns allen geworden. Gießen, Hessen und Deutschland gehört uns allen.

Wir sind Gießen! Wir sind Hessen! Wir sind Deutschland!“

Letzten Endes und in der Tat gehören Gießen, Hessen und Deutschland genauso wie die ganze Erde Gott, unserem Schöpfer. Und wir sind nur Gäste Gottes auf dieser Erde.

Lassen Sie uns gemeinsam, meine Damen und Herren, liebe Geschwister und Freunde, für eine Gemeinschaft in unserer Heimat hier einsetzen, in der wir uns in unserer Vielfalt gegenseitig achten, respektieren und anerkennen! Lassen Sie uns gemeinsam für die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller Menschen in unserer Heimat einsetzen, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrem Glauben und ihrer Weltanschauung! Lassen Sie uns gegen jede Diskriminierung einsetzen! Lassen Sie uns gemeinsam für die Achtung und den Schutz der Würde aller Menschen einsetzen! Lassen Sie uns gemeinsam, einheitlich und solidarisch für das Wohl und die Sicherheit unserer Heimat und den Frieden in unserem Land einsetzen! Lassen Sie uns gegen jede Hasspredigt einsetzen! Lassen Sie uns vor allem gegen jeden Missbrauch unserer Religionen und gegen alle Missstände erst in unseren eigenen Reihen einsetzen!

In diesem Sinne wünsche und hoffe ich, dass wir alle gemeinsam durch die heutige Begegnung und gemeinsame Feier zur Förderung des Bewusstseins der Zusammengehörigkeit unserer Gemeinschaft und des friedlichen Miteinanders aller Menschen und Religionsgemeinschaften in Gießen, Hessen und Deutschland beitragen. Ich wünsche Ihnen allen einen fruchtbaren Austausch und eine festliche Stimmung und meinen muslimischen Geschwistern einen gesegneten Ramadan.

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