Gemeinsam gegen Terror und Kulturkampf!

Nach den grausamen Terroranschlägen in den vergangenen Wochen und Monaten in Bagdad, Dhaka/Bangladesch, Istanbul, Brüssel, Ankara, Paris und vielen anderen Städten der Welt hat der internationale Terror nun gestern Abend während der Feier des Nationalfeiertags die französische Stadt Nizza mit über 80 Toten und mehreren Verletzten getroffen.

Opfer sind wieder Zivilisten und wehrlose Menschen sowie Kinder ungeachtet ihrer Herkunft und Religion. Im Namen der IRH/Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen verurteile ich erneut alle diese barbarischen Terroranschläge einschließlich in Nizza aufs Schärfste und spreche allen Angehörigen der Opfer dieser Terroranschläge unser herzliches Beileid aus.

Möge Allah/Gott den Hinterbliebenen aller Opfer dieser Terroranschläge Kraft und Geduld geben, diese schwierigen Zeiten zu überstehen. Wir sind in Gedanken und unseren Gebeten bei ihnen. Für uns ist jedes Opfer bzw. das verlorene Leben jeden einzelnen Menschen durch alle Terroranschläge weltweit und überall genauso wertvoll wie die Opfer von gestern in Nizza. Die gleiche Sensibilität für Terroranschläge wie in Nizza, Brüssel und Paris muss für alle Terroranschläge überall in der Welt gelten.

Die Terroranschläge gestern in Nizza und in vergangenen Wochen und Monaten in den anderen Städten der Welt zeigen unmissverständlich, dass der internationale Terror keine Grenzen mehr kennt und die ganze Welt bedroht. Wir alle können mehrmals den Terrorismus verurteilen, aber wir müssen uns nunmehr über die Ursachen und die Folgen des Extremismus und des Terrorismus sowie über die richtigen Methoden zu deren Bekämpfung gründlich und ernsthaft Gedanken machen.

Ohne die ursprünglichen und tatsächlichen Ursachen zu beseitigen, kann man den Extremismus und den Terrorismus nicht erfolgreich bekämpfen. Das heißt nicht, dass der Terrorismus und das Töten von Menschen durch irgendwelche Gründe auch immer zu legitimieren und zu rechtfertigen sind.

Die letzten Terroranschläge zwingen die internationale Staatengemeinschaft nunmehr zur Suche nach einer ernsthaften Antwort auf die Frage, ob der internationale Terror militärisch vernichtet werden kann. Wenn zum Beispiel der IS geht, kommt eine andere Terrororganisation mit einem anderen Namen, so lange der Nährboden und die tatsächlichen Ursachen des Terrorismus nicht mit richtigen Mitteln bekämpft werden.

Die Politik der westlich-europäischen Staaten im Nahen Osten und der islamischen Welt wird von der überwiegenden Mehrheit der Muslime da und hier in Europa als doppelmoralisch, arrogant und demütigend wahrgenommen.

Und gerade dies wird von extremistischen Gruppierungen auch hier in Europa zu ihren Zwecken instrumentalisiert, einen Kampf der Kulturen und Religionen, einen Kampf zwischen der westlichen und islamischen Welt zu schüren. So lange vor allem die westlich-europäischen Staaten ihre bisherige falsche Politik und Strategie im Nahen Osten und der islamischen Welt nicht korrigieren, kann das Problem des Terrorismus dauerhaft nicht gelöst werden.

Eine gerechtere Welt ist auch eine sichere Welt. Gleichberechtigt und gerecht behandelte Menschen neigen kaum zur Unterstützung von Extremismus und Terrorismus. Deshalb muss man einerseits den terroristischen Gewalttätern, unabhängig von ihren religiösen und nationalen Zugehörigkeiten und von ihren Beweggründen, entschlossen entgegentreten, andererseits muss man langfristige Anstrengungen verstärken, die zur sozialen Gerechtigkeit in der Welt und zum Frieden der Völker beitragen.

In diesem Sinne rufe ich die Bundesregierung auf, mit all ihren Möglichkeiten in der EU und UNO zu einem Umdenken in der internationalen Politik im Zusammenhang der Lösung der Konflikte in der islamischen Welt und dem Nahen Osten beizutragen, um somit den Dialog und Frieden unter den Kulturen und Religionen statt den Kampf der Kulturen zu fördern. Dadurch kann entscheidend dazu beigetragen werden, den Extremisten weltweit, auch in Europa den wichtigen Nährboden und Missbrauch zu entziehen.

Der internationale Terror hat anscheinend ein klares Ziel: Das Schüren eines Kulturkampfes. Gerade deshalb dürfen wir, Religionsgemeinschaften und Gesamtgesellschaft, uns von keiner Seite gegeneinander stellen lassen. Wir müssen alle gemeinsam gegen den von extremistischen Kreisen geschürten Kulturkampf kämpfen.

Ein Kulturkampf wird nur ihren Interessen dienen. In diesem Sinne rufe ich vor allem die französische Regierung und das  französische Volk, aber auch unsere Bundesregierung und unsere Gesellschaft in Deutschland sowie alle europäischen Länder dringend denn je Muslime und islamische Verbände in Frankreich, Deutschland und Europa im Kampf gegen den internationalen Terrorismus als Partner zu gewinnen. Wir alle müssen zusammenhalten und gegen den Terror noch enger zusammenrücken.

15. Juli 2016

Ramazan Kuruyüz

Vorsitzender der IRH/Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen

 

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