Pressemitteilung zum Aschura-Tag

„Aus der Geschichte richtige Lehren ziehen und gegen jedes Unrecht in der Welt heute gemeinsam vorgehen“

„Und unter euch soll eine Umma/Gemeinschaft sein, die zum Rechten/Guten einlädt, zum Gebilligten aufruft und vom Missbilligten abrät. Und diese sind die wirklichen Erfolgreichen.“ (Sura Ali Imran/3: 104)

Ramazan Kuruyüz
Vorsitzender der IRH

Heute (12.10.2016) ist der Aschura-Tag. Die Aschura, der zehnte Tag vom islamischen Monat Muharram, ist in der Geschichte der Menschheit als ein Tag, an dem bedeutende Geschehnisse passierten, bekannt. Der Aschura-Tag hat sowohl für die früheren Propheten und ihre Gemeinschaften als auch für die Muslime eine besondere Bedeutung. Vor allem und zugleich ist die Aschura ein trauriger Tag für uns Muslime, ob Sunniten, Schiiten oder Aleviten. In relativ jüngerer Geschichte fand an diesem Tag das Verbrechen in Kerbela/Irak im Jahre 680 n. Chr. statt. Dabei wurden der Enkelsohn des Propheten Muhammad (s.a.s.), Hz. Hussain ibn Ali, seine Familienmitglieder und Gefährten von der übermächtigen Armee des damaligen Kalifen Yazid ibn Muawiyah brutaler Weise massakriert.

An diesem Aschura-Tag gedenken wir Muslime, ob Sunniten, Schiiten und Aleviten, zusammen mit unseren Gebeten vor allem der Opfer Hussain, seiner Familie und Gefährten. In diesem Sinne sprechen wir zugleich allen Unterdrückten, die sich auch heute in ähnlichen Situationen in unterschiedlichen Teilen der Welt befinden, unsere Teilnahme und unser Mitleid aus. Unabhängig von ihrer Herkunft, Religion und Konfession sind alle Unterdrückten in unseren Gedanken und Gebeten.

Was nützt es, einer traurigen Geschichte zu gedenken, wenn man aber nicht die richtige Lehre daraus für heute zieht? Was nützt es, ein Verbrechen in der Geschichte aus konfessionell-religiösen sowie machtpolitischen Motiven zu verurteilen, wenn man aber zu einem Verbrechen in der Gegenwart aus konfessionell-religiösen sowie machtpolitischen Motiven wie in Syrien schweigt, noch schlimmer, wenn man das brutale Assad-Regime und seine Verbrechen sogar billigt oder unterstützt? In aller Klarheit muss ich ausdrücken, dass wir als sunnitische und schiitische Muslime nicht glaubwürdig, nicht aufrichtig und nicht islamisch sind, solange wir das Unrecht und das Verbrechen durch Verbrecher in den Reihen der Sunniten gegen Schiiten und Aleviten oder das Unrecht und das Verbrechen durch Verbrecher in den Reihen der Schiiten und Aleviten gegen Sunniten in der heutigen Welt nicht gleichermaßen verachten und verurteilen sowie wenn wir uns dagegen nicht  zusammen und nicht entschieden einsetzen.

Selbstverständlich dürfen wir Muslime, ob Sunniten, Schiiten oder Aleviten, dieses Massaker am Aschura-Tag in Kerbela nicht vergessen; nicht deshalb, um neue Anfeindungen und Hass zu schüren, sondern richtige Lehren aus dieser Geschichte zu ziehen. In diesem Sinne und angesichts der gewalttätigen Konflikte in Syrien und in den anderen muslimischen Ländern mit ihren Auswirkungen auf unser Zusammenleben hier in Deutschland sehen wir uns als sunnitisch-schiitisch besetzter Vorstand einer Religionsgemeinschaft, die sich aus sunnitischen und schiitischen Moscheegemeinden zusammensetzt, in großer Verantwortung und Pflicht, uns vor allem für die Geschwisterlichkeit und Einheit sunnitisch und schiitischer Muslime in Hessen und Deutschland sowie gegen Anfeindungen und Vorurteile zwischen Sunniten und Schiiten hier und mit unseren Möglichkeiten auch in der islamischen Welt einzusetzen. Zugleich rufen wir alle Religionsgemeinschaften; Muslime, Christen, Juden und andere Religionsgemeinschaften, sowie alle Friedfertigen insbesondere in unserem Land auf, sich gegen Unrecht und Unterdrückung überall in der Welt zu erheben, unabhängig davon, von wem oder welcher Gruppe sie stammen, und gegen wen oder welche Gruppe sie gerichtet sind.

Gießen, 12. Oktober 2016

Ramazan Kuruyüz

Vorsitzender der IRH/Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen

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